Questioning the status quo in methods (German)

From Sustainability Methods

Note: This is the German version of this entry. The original, English version can be found here: Questioning the status quo in methods. This entry was translated using DeepL and only adapted slightly. Any etymological discussions should be based on the English text.

Kurz und knapp: Dieser Eintrag diskutiert, wieso der aktuelle Stand wissenschaftlicher Methodik angesichts der Probleme unserer Zeit unzureichend ist.

Den status quo infrage stellen

Ausgehend von der allgemeinen Erkenntnis, dass die derzeitigen Methoden nicht ausreichen, um sich dem notwendigen Wissen für die Lösung der "wicked problems" anzunähern, mit denen wir konfrontiert sind, stellt sich die Frage, wie wir den status quo der Methoden sinnvoll in Frage stellen können, und zwar auf eine Weise, die uns voranbringt. Allzu viele Überarbeitungen des Status quo im Bereich wissenschaftlicher Methoden wurden vorgeschlagen, ohne ein klares Verständnis dafür, was eigentlich das Problem ist, oder besser, welches Wissen uns fehlt. Der gegenwärtige Zustand vieler wissenschaftlicher Denkschulen drängt uns dazu, die Dimensionen einer normalen Wissenschaft im Sinne Kuhns zu verlassen. Der Aufruf zu einer Revolution bedeutet aber nicht, dass alle Probleme automatisch gelöst sind. Im Gegenteil: In vielerlei Hinsicht befinden wir uns immer noch in einem Zustand, in dem wir explizit nicht wissen, wie wir die "wicked problems" lösen sollen, vor denen wir stehen. Schauen wir uns drei Beispiele an.

Klimawandel

Der Klimawandel ist ein komplexes Phänomen: Die Erkenntnis, dass es einen vom Menschen verursachten Klimawandel gibt, hat sich zunächst nur langsam aus den verschiedenen wissenschaftlichen Datenquellen und Forschungsansätzen herauskristallisiert. Während heute die Mehrheit der Gesellschaft akzeptiert hat, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel real ist und dass es in unserer Verantwortung liegt, darauf zu reagieren und gegenzusteuern, gibt es keine allgemeine Einigung über den besten Weg, dies zu tun. Stattdessen gibt es Forderungen nach einer global orchestrierten politischen Reaktion, die auf einer ganz anderen Ebene stattfindet als lokale Anpassung an den Klimawandel. Am wichtigsten ist die Frage, wie wir die Bürger in Ländern, die seit Jahrzehnten den größten negativen Beitrag zum Klimawandel leisten, davon überzeugen können, nicht nur ihr Verhalten zu ändern, sondern tatsächlich dazu beizutragen, dessen katastrophalen Auswirkungen umzukehren. Dies ist die aktuelle Grenze der Forschung, und viele vielversprechende Vorschläge und Strategien werden derzeit untersucht. Da wir aber vielleicht erst im Nachhinein wissen, wie dieses Problem angegangen, wenn nicht sogar vollständig gelöst werden konnte, müssen wir unsere Forschungsansätze weiter diversifizieren und auch die Dringlichkeit des Problems berücksichtigen. Eine 20-jährige Längsschnittstudie wird nicht ausreichen - wir brauchen so schnell wie möglich Vorschläge. Die Dringlichkeit und die Verquicktheit dieses Problems unterstreichen die Notwendigkeit neuartiger Methoden, die zur Annäherung an Lösungen beitragen.

Akteursbeteiligung

Forschung über normative Herausforderungen - wie auch die Forschung über gemeinsame Problemstellungen zwischen Akteuren und Forschern - hat zugenommen. Mehr und mehr Studien beschäftigen sich mit dem neuen Vertrag zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Allerdings sind die Rollen und Machtverhältnisse der verschiedenen Akteure innerhalb eines Systems zutiefst kontextabhängig, und bisher ist das Wissen solcher Studien noch nicht in ein allgemeineres Verständnis darüber kumuliert, wie ein solches Forschungssetting angegangen werden kann. Zwar gibt es bereits Entwürfe und ein wachsendes Verständnis relevanter Konzepte, wie z.B. des sozialen Lernens, aber die Beteiligung von Akteuren hat immer noch nicht den Weg in eine breite Vielfalt von Lehrbüchern gefunden, und die verfügbaren Ansätze sind alles andere als einheitlich. Die meisten der normalen Wissenschaften streiten sogar darüber, ob die Anerkennung von Akteurswissen überhaupt wirklich zum wissenschaftlichen Fortschritt beiträgt, und beurteilen stattdessen weiterhin den Unterschied zwischen angewandter Wissenschaft und ihrer eigenen Wissenschaft. Hinzu kommt, dass die Akteursbeteiligung von den unterschiedlichsten disziplinären Hintergründen her angegangen wird. Das erhöht die Methodenvielfalt, führt aber letztlich zu mehr Verwirrung, weil die verschiedenen Ansätze, die in unterschiedlichen Disziplinen wurzeln, oft als einander überlegen oder unterlegen hingestellt werden. Während es klar ist, dass verschiedene Methoden in einem bestimmten Kontext unterschiedlich wertvoll sind, fehlt ein Vergleich verschiedener Methoden, die Akteursbeteiligung ermöglichen, bisher weitgehend. Nur durch einen fairen Vergleich verschiedener Ansätze kann jedoch eine Aussage darüber getroffen werden, welcher methodische Ansatz in einem jeweiligen Kontext eine höhere Aussagekraft hat.

Nachhaltiger Konsum

Die Frage, wie wir unseren Konsum in Richtung Nachhaltigkeit verändern können, ist eine weitere lebhafte Debatte innerhalb der Nachhaltigkeitswissenschaft und darüber hinaus. Während es Forschung gibt, die sich auf den globalen Handel und seine Ungleichheiten konzentrier, gibt es ebenso solche zum individuellen Verhalten und zu den Motivationen von Verbrauchern. Verhalten in Bezug auf nachhaltigen Konsum zu verstehen - und mehr noch, es zu verändern - ist bis heute ein vielfältiges Feld, mit methodischen Wurzeln in der Psychologie, den Sozialwissenschaften und vielen anderen Bereichen. Auf der anderen Seite sind globale Lieferketten und Handelsvereinbarungen Teil ganz anderer Wissenschaftsbereiche und diese beiden Skalen sind kaum aufeinander abgestimmt. Es gibt eine klare Lücke zwischen der Forschung, die sich auf das Angebot konzentriert, und der Forschung, die sich auf die Nachfrage konzentriert. Aus methodischer Sicht stellt die Integration der globalen und der individuellen Skala sowie von Angebot und Nachfrage bereits eine sehr komplexe Herausforderung dar, die zeigt, wie eine Verbindung zwischen diesen unterschiedlichen Denkrichtungen die Forschung in absehbarer Zeit beschäftigen wird. Die Atomisierung von Herausforderungen in kleinere Teile, die Teile des Bildes darstellen, folgt einer langen Tradition in der Wissenschaft, doch die Integration dieser verschiedenen Ansätze wird entscheidend sein, um die gesamte Tiefe und Breite der Herausforderungen zu berücksichtigen.


Drei Pfade methodologischer Innovation

Wir können also schlussfolgern, dass Dringlichkeit, "wickedness", Normativität, Kontext, Skalenintegration und viele andere Herausforderungen derzeit in der Gemeinschaft der Nachhaltigkeitswissenschaftler anerkannt sind und mehr Fokus verdienen, um Lösungen generieren zu können. Diese unvollständige Liste von Problemen zeigt bereits, dass dies leichter gesagt als tatsächlich getan wird. Innerhalb der Nachhaltigkeitswissenschaft und darüber hinaus gibt es fast eine Besessenheit, den status quo in Frage zu stellen und zu proklamieren, was Methoden tun sollten. Es klingt so verlockend, "mit dem System zu tanzen" - ein Satz, der Donella Meadows entlehnt ist (ich habe mich immer gefragt, was das eigentlich bedeutet). Aber wie nehmen wir all den Vorschlägen zur Veränderung die normative Last ab und machen als einzelne Forscher einen ersten Schritt? Hier schlage ich drei Perspektiven vor, wie Innovation in Bezug auf wissenschaftliche Methoden konkreter angegangen werden könnte.

1) Neue Methoden erfinden Neue Methoden zu erfinden klingt sicherlich aufregend. Es gibt eine ganze Welt des Wissens, die auf uns wartet, und neue Methoden könnten potenziell in der Lage sein, dieses neue Wissen zu erschließen. Trotz des Geistes, der viele Forscher zu diesem Ziel motiviert, möchte ich hervorheben, dass in der Vergangenheit die Erfindung neuer Methoden oft aus der klaren Erkenntnis eines Mangels an Methoden zur Lösung eines bestimmten Problems entstand. Die Vorschläge des Interviews als wissenschaftliche Methode oder der Grounded Theory wurzelten in der Erkenntnis eines Mangels an einem geeigneten methodischen Ansatz für ein spezifisches Problem. Als Beispiel seien hier offene Interviews genannt, die ein induktives Verständnis der Wahrnehmungen von Individuen ermöglichten. Diese Art der Erkenntnis als solche gab es vorher nicht, und durch den Vorschlag dieser neuen Methoden konnte eine Lücke geschlossen werden. Um diese Lücke zu schließen, musste meiner Meinung nach diese Lücke erkannt werden, was auf dem Erkennen von klarem Wissen und Erfahrungen mit Methoden, die bereits vorhanden waren, beruhte.

Nehmen wir zum Beispiel auch Fischers Varianzanalyse, die im Grunde genommen die Durchführung systematischer Experimente auf eine völlig neue Ebene brachte. Fischer sah die bestehende Forschung an dem landwirtschaftlichen Forschungszentrum, an dem er als Statistiker arbeitete, und er sah einen klaren Mangel an einer systematischen Methode, die es erlaubte, Wissen im Sinne von Mustererkennung basierend auf der Prüfung einer vorherrschenden Hypothese zu generieren. Fischer kannte den Stand der Technik, und er erkannte eine deutliche Lücke im Kanon der vorhandenen Methoden. Darüber hinaus hatte er Erfahrung mit den bereits existierenden Methoden, was eine Voraussetzung für seine Formulierung der Varianzanalyse war. Die Erfindung neuer Methoden ist also durchaus ein allmählicher Prozess in einer kontinuierlichen Entwicklung, auch wenn Wissenschaftshistoriker sie oft auf einen einzelnen Zeitpunkt reduzieren. Ich schlage daher vor, eher ein Kontinuum anzuerkennen, in dem solche neuen Methoden vorgeschlagen werden. Solche innovativen Einstellungen bauen typischerweise auf der Erfahrung mit bestehenden Methoden auf, und damit auf der Erkenntnis einer Lücke innerhalb der bereits existierenden Methoden, oder besser noch, auf dem Wissen, das diese Methoden produzieren können.

2) Relokation bestehender Methoden Methodische Innovationen bauen oft auf bestehenden Methoden auf, wenn diese in einem anderen Umfeld oder Kontext verwendet werden. So wurden z. B. Interviews in der 'World Value Survey' auf globaler Ebene angewandt und ermöglichten einen globalen Vergleich der Werte der Menschen auf der Grundlage von zehntausenden von Interviews. Die Methode der strukturierten Interviews gab es schon lange vorher, und man könnte argumentieren, dass solche größeren Umfragen sogar der 1960 von Strauss und Glaser verkündeten Befragung vorausgingen. Ein globaler Vergleich war jedoch eindeutig einzigartig. Ein anderes Beispiel ist, wie die Varianzanalyse einst weitgehend für deduktive Experimente reserviert war, bis der Aufstieg der Datenwissenschaft und die Verfügbarkeit von mehr Daten durch das Internet und andere Quellen zur Anwendung der Varianzanalyse in rein induktiven Settings führte. Ein weiteres Beispiel wären die vielfältigen Anwendungen der Textanalyse, die einst für ein sehr spezifisches Setting postuliert wurden, heute aber in allen möglichen Wissenschaftszweigen Anwendung finden. Die Verlagerung einer Methode nutzt im Grunde eine bestehende Methode in einem anderen Setting oder Kontext, als sie ursprünglich gedacht war. Auch hier bedeutet dies nicht nur, dass die Erfahrung mit der bestehenden Methode eine notwendige Voraussetzung für ihre Verlagerung ist, sondern das eigentliche Innovationspotenzial ergibt sich aus dem Erkennen einer Lücke, und dass die Verlagerung der bestehenden Methode diese Lücke durch die Schaffung neuen Wissens schließen kann.

3) Rekombination bestehender Methoden Eine weitere Möglichkeit, methodologische Innovation zu schaffen, besteht in der Neukombination bestehender Methoden. Mit der Zunahme von Daten, die durch Umfragen verfügbar wurden, ermöglichte die Statistik beispielsweise die Verwendung verschiedener Methoden zur Analyse von Daten aus Umfragen und später auch aus strukturierten Interviews. Solche Innovationen sind eher allmählich und werden von der wissenschaftlichen Gemeinschaft weniger anerkannt. Ein weiteres Beispiel wäre die Nutzung statistischer Methoden für kodierte Items aus einem Grounded Theory-Ansatz. Während sich dieser Ansatz ursprünglich auf die qualitative Forschung konzentrierte, gibt es jetzt Beispiele, wie kodierte Informationen in einer Tabelle zusammengestellt werden, die dann statistisch ausgewertet wird. Solche Innovationen sind oft ein Verstoß gegen die ursprünglichen Regeln oder Normen, die mit einer Methode proklamiert wurden, und haben daher in der Vergangenheit auch Kontroversen und Kritik hervorgerufen. Nichtsdestotrotz baut die Neukombination verschiedener Methoden auf einem tiefen Verständnis und sogar Erfahrung mit der jeweiligen Methode auf und zeigt einmal mehr, wie Forscher neues Wissen schaffen, indem sie auf bereits etablierten methodischen Ansätzen aufbauen.

Ein paar Anmerkungen zu methodologischer Innovation und Erfahrung

Diese drei vorgeschlagenen Möglichkeiten der methodischen Innovation bauen eindeutig auf Design Thinking auf, da die Entwicklung von methodischen Anwendungen als ein Designproblem verstanden werden kann. Die Erstellung eines methodischen Designs ist notwendigerweise eine Verpflichtung, die von einigen Forschern als statisch oder sogar geradezu dogmatisch kritisiert werden kann, dennoch sollten die hier vorgeschlagenen Ansätze zur Innovation eher als Ausgangspunkt denn als neues Dogma gesehen werden. Stattdessen schlage ich einen Kontrapunkt zu einem Hype um methodische Innovation vor, der zwar für viele ansprechend sein mag, es Forschern meiner Erfahrung nach aber sehr schwer macht, mit ihrer spezifischen Forschung zu beginnen. In der Nachhaltigkeitswissenschaft gibt es eine Tendenz, alle methodologischen Dogmen abzulehnen, um unvoreingenommen und kreativer zu sein. Während dies in der Theorie verlockend klingt, würde ich im Sinne des Kritischen Realismus gegenargumentieren: Einige beobachtbare Realitäten können mit bestehenden Methoden erschlossen werden, und manches neu aktivierte Wissen, das wir zu enträtseln versuchen, kann methodologische Innovation erfordern. All dies impliziert, dass wir - in Anlehnung an Roy Baskhar - jeden Anspruch darauf, dass jegliches Wissen perfekt ist, klar zurückweisen sollten, unabhängig davon, ob es auf alten oder neuen Methoden beruht. Wissen kann und wird sich ganz sicher verändern.

Allerdings ist der Drang nach neuen Methodologien im Moment so stark, dass die Erfahrung mit bestehenden Methodologien gänzlich abgelehnt wird. Ich halte dies für ein gefährliches neues Dogma und bitte künftige Forscher, Erfahrungen in empirischen Methodologien als wichtige Grundlage für Innovationen zu berücksichtigen. Wie ich oben deutlich gezeigt habe, kann es mehr als nur theoretische Überlegungen geben, warum methodologische Innovation auf Erfahrungen in bestehenden Methodologien aufbauen kann. Eine solche Erfahrung sollte immer auch eine Anerkennung ihrer Grenzen beinhalten, und auf lange Sicht könnte es zu einer größeren Anerkennung neuer Designansätze kommen, die methodologische Innovation vorantreiben sollen.

Die Verflechtung verschiedener Wissensformen, die Reflexivität von Forschern und anderen Akteuren, die Anerkennung von Komplexität in Systemen und die Notwendigkeit von Machtverhältnissen in der Wissensproduktion sind prominente Beispiele für aktuelle Herausforderungen, die Methodologien bisher nicht gelöst haben. Von der Schaffung eines verfestigten Wissenskanons zur Lösung dieser Rätsel sind wir wahrscheinlich noch weit entfernt. Man könnte argumentieren, dass wir diese methodischen Probleme nie ganz lösen werden, sondern dass die gemeinsame Aktion und Interaktion bei der Arbeit an diesen Problemen die eigentliche Lösung sein wird, und dass eine wirkliche Lösung wie bei den bisherigen Methoden der Normalwissenschaft nie erreicht werden wird. Das ist bis heute unklar, aber wir müssen uns bewusst werden, dass wir, wenn wir den status quo der Wissensproduktion und der Methoden in Frage stellen, vielleicht nicht nach Zielen, sondern eher nach einem Weg suchen. Es gibt einige Beispiele in der Nachhaltigkeitswissenschaft, die diesem Weg folgen, wie z.B. Transdisziplinarität und Systemdenken. Dem kritischen Realismus zufolge kann es jedoch sinnvoll sein, innovative und neuartige Methoden bis zu einem Punkt zu verfestigen, der es uns ermöglicht, auf der Grundlage des von uns geschaffenen Wissens sinnvolle Maßnahmen zu ergreifen.


The author of this entry is Henrik von Wehrden.